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Auch 2026 werden die Aus­einander­setzungen unver­ändert weiter­gehen.

16.01.2026

Neues Jahr, alte Probleme

Das gilt nicht zwingend für die Politik im Allge­meinen, wo die Probleme zwar auch die alten sind, aber die Konflikte teil­weise in neuen Dimen­sionen eska­lieren. Aber es gilt im Bereich der hiesigen Politik der Bundes­regierung und der hessi­schen Landes­regierung, zumin­dest soweit sie den Schutz von Gesund­heit, Umwelt und Klima und den Luft­verkehr betrifft.

Auf Landes­ebene beginnt das Jahr zum Beispiel mit einem hessi­schen Verkehrs­minister, der seine Staats­sekre­tärin Ende letzten Jahres zu einem sechs­stündigen Party-Flug der Condor nach Wien und zurück geschickt hat und das auf eine Anfrage der Grünen im Landtag hin mit den Worten vertei­digt:
"Solche Termine sind Ausdruck von Respekt und partner­schaft­lichem Aus­tausch, sowie von aktivem Inter­esse an der Zukunft dieser Schlüssel­branche", denn "die Landes­regierung lege den Fokus wieder stärker auf die Luft­fahrt". Die Reise habe "einen klaren wirt­schafts- und standort­politi­schen Bezug".

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Staatssekretärin Fröhlich ...

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... Minister auch.

Statt die höchste Party der Welt eines reinen Ferien­fliegers, der dabei auch noch Green­washing übel­ster Art betreibt (man habe "im Rahmen der Beschaf­fung von Sustain­able Aviation Fuel eine zusätz­liche Menge, die einer 50-prozen­tigen Bei­misch­ung für den Ab­schieds­flug ent­sprach, beschafft", natür­lich Bio­sprit), als klima­politi­sche Per­ver­sion zu ver­urtei­len, spielt die Landes­regie­rung eifrig mit - was nieman­den über­raschen kann.
Sie wird ihre ver­bind­lichen Klima­ziele ohne­hin ver­fehlen, über­schlägt sich auch sonst in ihrer Unter­stüt­zung für die Luft­verkehrs­indus­trie, und für Minister Mansoori gilt ohnehin: "Ist der Ruf erst rui­niert, ...".

Immer­­hin wurde die Staats­kasse nicht belastet. Die Tickets koste­ten zwar stolze 1.000 € pro Person, aber die Staats­sekre­tärin durfte auf Condor-Kosten dabei sein, und die Getränke waren auch inklusiv (nur bos­hafte Links­radi­kale sprechen hier von Kor­rup­tion). Und auch über ver­geu­dete Arbeits­zeit sollte man sich nicht be­schweren. Man kann schliess­lich davon aus­gehen, dass sie in diesen sechs Stunden keinen sons­tigen Schaden ange­richtet hat.

Nahezu zeit­gleich weist die Initia­tive "Correc­tiv" nach, dass die ent­gegen anderen Ver­laut­barungen doch noch auf den 01.07.2026 vorge­zogene Sen­kung der Luft­verkehrs­steuer ein Herzens­anliegen des Bundes­verkehrs­ministers war und der Wider­stand dagegen im Bundes­kabinett nur auf­grund finan­zieller Über­legungen zu­stande kam.
Klima­politische Über­legungen spielten für keinen der betei­ligten Minister und keine der Regie­rungs­parteien eine Rolle. Und auch der Bundes­rechnungs­hof bestätigt, dass dieser Minister eher Gesetze bricht, als seine Ver­pflich­tungen zum Klima­schutz umzu­setzen - "Business as usual" für diese Bundes­regierung. Sie steht wegen sowas ja dauernd vor Gericht und wird ihre Klima­ziele insge­samt auch nicht er­reichen.
Das bringt dann selbst altge­diente Umwelt­politiker aus deren Umfeld zu der Erkennt­nis:

"Ich befürchte, der Klima­schutz ist ange­sichts des Kriegs­fiebers sowieso ver­loren ge­gangen. Dabei ist er das größte Sicher­heits­risiko der weiteren Zukunft. ...
Und die Kosten der unan­ständigen "Kriegs­tüchtig­keit" nehmen den öffent­lichen Haus­halten schon heute die Finanz­mittel, sich ernst­haft damit zu beschäf­tigen."
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Braucht es wirk­lich noch deut­lichere Aus­sagen, um klar zu machen, was diese "Leistungs­träger" tat­säch­lich leisten ?

Andere sind im Über­ziehen ihrer Treib­haus­gas-Budgets aller­dings noch wesent­lich radi­kaler. So berech­net OXFAM:

"Die reich­sten 1% haben ihr jähr­liches Kohlen­stoff-Budget - die Menge an CO₂, die noch ver­braucht werden kann, um im Rahmen einer Erd­erwär­mung von 1,5 °C zu bleiben - schon nach zehn Tagen im neuen Jahr ver­braucht, ... . Die reich­sten 0,1% haben ihr Limit schon am 3. Januar über­schritten."

Oxfam nennt den 10. Januar daher den Polluto­kraten-Tag, von englisch 'pollu­tion', Ver­schmut­zung und Auto­krat, Selbst­herrscher. Um solche Per­ver­sionen abzu­stellen, fordern sie:

(eigene Über­setzung)

Die reale Entwicklung geht allerdings derzeit in ganz andere Richtungen. Die US-Oligarchie unter Trump reisst sich die weltweit grössten Reserven schmutzigen Öls und andere Rohstoffe unter Bruch des Völkerrechts unter den Nagel und zieht sich per Trump-Dekret aus 66 Organisationen, Übereinkommen und Verträgen zurück, überwiegend aus den Bereichen Umwelt- und Klimaschutz. Diese würden "eine Bedrohung für die USA darstellen", ihre "Souveränität einschränken" oder sonstwie "den Interessen der USA zuwiderlaufen". Dazu zählen auch Institutionen, die "radikale Klima-Politiken fördern", wie der Weltklimarat IPCC und die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen, (UN Framework Convention on Climate Change, UNFCCC).
Beides hängt miteinander zusammen, da unter den Organisationen, die die USA verlassen und damit auch teilweise finanziell austrocknen wollen, auch etliche sind, die die geplante Plünderung der Rohstoffe behindern könnten.

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Die chinesischen "Pläne und Lösungen"

Sucht man nach Spuren gegen­läufiger Ent­wick­lungen, findet man wenig ausser posi­tiv kling­enden Plänen und Ab­sichts­erklär­ungen. Darunter fallen insbe­sondere die jüngsten Aussagen aus China auf. Da hat die Regie­rung "einen landes­weiten Aktions­plan zur Förde­rung von 'grünem Konsum' vorge­legt." Der solle "die Verbrei­tung umwelt­bewusster Konsum­gewohn­heiten stärken und den Über­gang zu einer CO2-armen Produk­tion und Lebens­weise beschleu­nigen".
Tatsäch­lich liest sich der voll­ständige Text wie ein Aktions­programm einer hiesigen Öko-Initia­tive aus den achtziger Jahren, als der Glaube an die Mög­lich­keit einer besseren Zukunft noch weit ver­breitet war. Wer will, kann sich auch noch in Beschrei­bungen der kom­plexen Model­lier­ungen hinter diesen Plänen vertiefen.
Das klingt im Grunde alles viel zu schön, um wahr zu sein, und selbst wenn es China gelingen sollte, wesent­liche Teile davon umzu­setzen, müsste man sich die Frage stellen: soll indivi­duelle Unfrei­heit und umfas­sende soziale Kontrolle wirk­lich der Preis dafür sein, dass eine heutige Konsum­gesell­schaft in den Rahmen der besteh­enden plane­taren Grenzen zurück­geführt werden kann? Grund zur Euphorie besteht hier jeden­falls auch nicht.

Wer kann, mag sich darüber freuen, dass 2025 keinen neuen Rekord bei der Erder­wärmung aufge­stellt hat, mit +1,47°C auch unter der +1,5°C-Grenze geblieben ist und mit einem Abstand von 0,13°C zu 2024 und 0,01°C zu 2023 "nur" an dritter Stelle liegt. Der Kohle­einsatz in der Energie­erzeu­gung ist bei den beiden Haupt­verbrauchern China und Indien zum ersten Mal seit 52 Jahren gefallen und die Diffe­renz weit­gehend durch erneuer­bare Ener­gien ersetzt worden, aber ob daraus ein Trend wird, ist noch nicht sicher.
In den USA sind aller­dings sowohl die Gesamt-Emis­sionen als auch die Emis­sionen aus der Kohle-Ver­stromung 2025 wieder ange­stiegen, obwohl die meisten Maß­nahmen der Trump-Regie­rung noch garnicht wirksam geworden sind. Auch die globalen CO₂-Emis­sionen aus fossilen Brenn­stoffen sind in 2025 voraus­sicht­lich auf ein neues Rekord­niveau gestiegen.

Aus dem Bereich Flug­verkehr gibt es eine neue Studie, die die CO₂-Emis­sionen des globalen Luft­verkehrs im Detail analy­siert und Mög­lich­keiten be­schreibt, wie diese Emis­sionen redu­ziert werden könnten, ohne die Trans­port­leistung zu redu­zieren. Unter­sucht wurden "27,5 Mil­lionen Flüge zwischen 26.156 Städte-Paaren in 2023", die knapp 3,6 Mrd. Passa­giere über gut 43 Mrd. km beför­derten (mehr als 80% des gesam­ten kommer­ziellen Passagier-Trans­ports) und dabei knapp 578 Mt CO₂ emit­tierten.
Die dabei erziel­baren Einspar­möglich­keiten (oder anders herum, die dabei betrie­bene Ver­schwen­dung) sind enorm. Würden auf allen Strecken nur die dort jetzt schon betrie­benen, opti­malen Konfi­gura­tionen von Flug­zeugtyp, Beladung und Aus­lastung geflogen, hätten bereits mehr als 10% der Emis­sionen einge­spart werden können.

Das theo­retische Optimum liegt noch weit darüber. Hätten alle einge­setzten Maschinen die gleiche Effi­zienz wie die der­zeit besten (Boeing 787-9 auf der Lang­strecke und A321neo auf der Kurz- und Mittel­strecke), könnten die Emis­sionen um mehr als ein Viertel sinken. Würde der Platz in diesen Flug­zeugen optimal genutzt (d.h. reine Economy-Bestuh­lung, keine Luxus-Kabinen), wären bereits Ein­sparungen von über 50% möglich. Könnte dann noch die Aus­las­tung auf 95% gestei­gert werden, könnten die Emis­sionen auf weniger als ein Drittel der realen sinken.
Das Ergebnis in den Worten der Autoren:

"Daraus folgt, dass der Trans­port der gleichen Zahl von Passa­gieren über die gleiche Strecke mit weniger als der Hälfte des aktu­ellen Treib­stoff-Verbrauchs mög­lich wäre, wenn Flug­gesell­schaften nur die effi­zien­testen Flug­zeuge nutzen, auf reine Economy-Bestuh­lung um­stellen und den Belade-Faktor auf 95% steigern würden."
(eigene Über­setzung)

Nichts davon hat aller­dings Aussicht, in abseh­barer Zeit umge­setzt zu werden. Flug­zeuge haben eine Lebens­dauer von 25 Jahren und mehr, und der­zeit werden praktisch keine Fort­schritte in der Treib­stoff-Effi­zienz erzielt. Einer optima­leren Raum­nutzung in den Flug­zeugen steht der Luxus-Kurs ent­gegen, der von der Luft­hansa und anderen Airlines immer deut­licher verfolgt wird. Und eine weitere Steige­rung der Aus­lastung wird schon deshalb schwierig bis unmög­lich, weil die EU-Luft­fahrt-Stra­tegie auch heute noch auf Förde­rung des Wett­bewerbs zwischen den Air­lines setzt. Um sich aber unter­einan­der Kunden abjagen zu können, müssen alle Betei­ligten mehr Plätze vor­halten, als sie letzt­end­lich besetzen können.

Dass der Luxus­kurs vieler Airlines auf eine ebenso ver­ant­wortungs­lose Nach­frage vieler 'Wohl­habender' trifft, zeigt eine weitere Analyse im Auftrag von Green­peace. Da wurden Flüge mit Privat­jets und in der First- und Business-Class hin­sicht­lich ihrer Klima­schäd­lich­keit und ihrer vermut­lichen Motiva­tion analy­siert.
Das Ergebnis ist wenig über­raschend, ent­spricht im Wesent­lichen den Resul­taten früherer Studien und beschreibt Sach­ver­halte, die schon seit Jahren zu Protest­aktionen führen und auch im letzten Jahr Auf­merk­sam­keit erreg­ten, weil die Super­reichen immer unge­hemmter ihre Per­ver­sionen zele­brieren.
Einige scheinen sich dabei aller­dings ein bisschen unwohl zu fühlen. Der Risiko-Bericht, der das jähr­liche Treffen der Reichen und Ein­fluss­reichen in Davos kommende Wohe vorbe­reiten soll, warnt vor "geo­wirt­schaft­lichen Kon­fronta­tionen", die in den nächsten beiden Jahren die Haupt­gefahr für ihre Geschäfte dar­stellen, und auch die "Un­gleich­heit" sehen sie als mög­liche Gefahr in den nächsten zehn Jahren. Umwelt­risiken wie der Klima­wandel haben auch da an Dring­lich­keit ver­loren, bleiben aber immer­hin noch auf der mittel­fristigen Agenda.
Greenpeace weist allerdings zu Recht darauf hin, dass dieses Treffen in Bezug auf das Klima immer noch mehr zum Problem als zur Lösung beiträgt, wobei die steigende Zahl der Anreisen im Privatjet eine grosse Rolle spielt.

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Wen grüsst dieser Herr hier wohl ?

Auch deshalb scheitern solche eher kläg­lichen Versuche, die abge­hobene Agenda der Super­reichen doch noch irgend­wie in Ein­klang mit den Pro­blemen des Rests der Welt zu bringen, schon seit vielen Jahren. Sie haben die Exzesse von Typen wie Elon Musk, Peter Thiel oder den TechBros aus dem Silicon Valley, die sich jetzt um Trump und die MAGA-Bewegung scharen, nie ver­hindern können; sie lassen sich nirgend­wo ein­binden.
In Anleh­nung an altes, deutsches Liedgut, das zu ihrer ideo­logi­schen Grund­haltung passen dürfte:

„Sie wollen weiter kassieren, bis alles in Scherben fällt -
 denn heute triffts erstmal die Ärmsten, und erst morgen die ganze Welt“.

Der Zer­störungs­prozess ist für alle sicht­bar schon im Gang und kann wohl auch nicht voll­ständig rück­gängig gemacht werden. Wieviel aber un­wieder­bring­lich kaputt geht, dürfte immer noch davon ab­hängen, ob es irgend­wann doch noch gelingt, die 'Pol­luto­kraten' von der Macht zu ver­drängen.

Dafür müsste sich aber zu aller­erst die Erkennt­nis durch­setzen, dass die, die unsere Kultur, unsere Umwelt und unser Leben gefähr­den, weder in den Flücht­lings­strömen der Welt schwimmen noch aus­schliess­lich im Kreml sitzen - sie sitzen auch im Weissen Haus und in vielen anderen Zentren der Macht.
Und es hilft auch nicht, Panzer, Kampf­flug­zeuge und Raketen zu be­schaffen - die helfen nur denen, die ihre Macht ver­tei­digen wollen. Kriege zer­stören immer weit­aus mehr als das, wo­gegen sie angeb­lich oder tatsäch­lich geführt werden; heute können sie die Exis­tenz der gesam­ten Mensch­heit be­drohen. Kon­flikte lassen sich daher nur noch mit fried­lichen Mitteln so über­winden, dass daraus Frieden und Ent­wick­lung ent­stehen kann. Auch das ist eine Erkennt­nis, die schon mal weit ver­breitet war und dringend wieder­belebt werden muss.


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Aus dem letzten Jahr noch aktuell:

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Die gruseligste Erklärung für den direkten Überflug am 14.11.: Ein "Army Priority Air Transport" zwingt einen Linienflug zum Ausweichen
direkt über Ortschaften.

20.12.2025

Starts über Raunheim - wegen der US Army?

(Achtung! Der nach­folgende Text enthält nicht näher gekenn­zeich­nete satir­ische und iro­nische Elemente. Bei Unklar­heiten über den Charak­ter von Aus­sagen wenden Sie sich bitte an die im Impressum genannte Kontakt­adresse.
Anführungs­zeichen („“) werden wie üblich für Zitate benutzt. Sollten diese wie Satire oder Unsinn wirken, sind die jeweils genannten Autoren dafür verant­wortlich.)

Am 14.11. dröhnte mal wieder ein von der Center­bahn starten­der Vier­strahler, eine B787-800, mitten über den Ort. Es war der gleiche Luft­hansa-Flug nach Los Angeles, der schon am 30.08 als extrem lauter Flach­starter bei den dama­ligen Über­flügen auf­fiel.
Weil wir befürch­ten mussten, dass das zur Gewohn­heit wird, haben wir wieder eine Beschwerde bei der DFS einge­reicht (und aus­gie­bige Wetter­auf­zeich­nungen abge­speichert), ohne große Hoff­nung, dass dies­mal eine aus­sage­kräfti­gere Antwort kommen würde.

Die kam auch nicht, aber das Ergeb­nis war trotz­dem eine Über­raschung. Der unermüd­liche Herr Wächter, der bei der DFS die unlös­bare Auf­gabe hat, die Nörgler und Meckerer aus dem Umland irgend­wie ruhig­zustellen, ohne Hinter­gründe zu den Betriebs­abläufen zu ver­raten, über­mittelte uns als Erklä­rung:

„... der Flug wurde auf­grund eines vorrang­berech­tigten anderen Fluges mit Ambu­lanz­status ange­wiesen, auf dem Start­bahn­kurs zu fliegen.“

Den Sinn dieses Satzes zu ent­schlüsseln, erscheint uns nicht einfach. Natür­lich haben wir rück­gefragt und um Erläu­terung gebeten, aber auf solche Rück­fragen haben wir von der DFS schon lange keine Antwort mehr erhalten. Wir wollen daher nicht warten und im Folgen­den dar­legen, was wir heraus­finden konnten.

Begriffs-Bestimmungen

Schon einzelne Begriffe in diesem Satz sind nicht ganz ein­deutig. "Vor­rang­berech­tigt" kennt man natür­lich aus dem All­tag: einer hat Vor­fahrt, die andern müssen sich hinten anstellen und warten oder auf Umwegen vorbei­schleichen. Auch "Start­bahn­kurs" ist in diesem Zusammen­hang noch zu ver­stehen. Es heisst wohl soviel wie "immer gerade­aus, bis ihr weiter west­lich wieder auf den geplanten Kurs ein­schwenken könnt". Dieser geplante Kurs ist für diesen Flug üblicher­weise die Südum­fliegung, die (derzeit noch) für Vier­strahler, die nach Norden wollen, vorge­schrieben ist, und die führt den Rhein entlang nach Norden, kreuzt also den Gerade­aus­abflug, so dass man da rechts abbiegen kann.
Schwieriger wird es schon mit dem Begriff "Ambulanz­status". In den all­wissen­den Such­maschinen erfährt man natür­lich, dass eine Ambu­lanz ein Kranken­transport ist, und etwas spezi­fischer, dass sowas per Flug­zeug sowohl mit speziel­lem Flug­gerät als auch (für leichte Fälle) an Bord eines Linien­fluges statt­finden kann - aber der Status? Wer verleiht den, nach welchen Krite­rien, und was darf man damit? Dazu haben wir nichts gefunden. Aber wir machen uns das Leben hier aus­nahms­weise einmal leicht, passen uns den heute üblichen autori­tären Denk­weisen an und halten fest: irgend­eine höhere Macht ver­leiht diesen Status, und wer ihn hat, hat Vorrang - ganz einfach.

Der "andere Flug"

Bleibt noch der "andere Flug" - und hier wird es wirk­lich rätsel­haft. Zur frag­lichen Zeit war zwar reger Flug­verkehr auf FRA, aber wirk­liches Gedränge herrschte nicht. Während des Starts der B787 gab es ledig­lich fast zeit­gleich einen zweiten Start auf der 18 West (ein LH-Linien­flug nach Krakow, Polen), alle anderen Flug­bewe­gungen erfolgten mit soviel zeit­lichem Abstand, dass ein direk­ter Ein­fluss auf den B787-Start sehr un­wahr­schein­lich ist.
Auch dieser Linien­flug auf der 18 West kann natür­lich (s.o.) für einen Kranken­trans­port benutzt worden sein, aber würde er dafür einen beson­deren Status bekommen? Wir haben ein paar Menschen befragt, die ihr Berufs­leben in der Fliege­rei ver­bracht haben, und alle waren skep­tisch. Für leichte Krank­heits­fälle, für die solche Trans­porte geplant werden, gibt es diesen Status nicht. Für Not­fälle natür­lich schon, aber welche Art von Not­fall würde erst noch stunden­lang im Linien­flug trans­por­tiert werden, anstatt vor Ort behan­delt oder wenig­stens mit einem speziell dafür aus­ge­stat­teten Gerät direkt ans Ziel gebracht zu werden? Aber da gewöhn­liche Erd­linge die Ent­schei­dungen höherer Mächte nicht wirk­lich vorher­sagen können: was wäre, wenn doch?

Starts von der Start­bahn West und von der Center­bahn über die Süd­umflie­gung finden immer noch im sog. "abhäng­igen Betrieb" statt, d.h. sie müssen so abge­stimmt werden, dass keine unzu­lässige Annähe­rung zwischen beiden Maschinen statt­finden kann, auch wenn die Route der Süd­umflie­gung nicht exakt abge­flogen wird. Einfach gesagt: wenn zwei nahezu gleich­zeitig starten wollen und der Start auf der 18 West Vorrang hat, muss der auf der Center­bahn solange warten, bis der andere weg ist (fach­lich etwas kor­rekter: bis die zeit­liche Staf­felung zwischen beiden Ab­flügen sicher­gestellt ist).
Könnte das die Ursache für den Über­flug sein? Natür­lich nicht. Die B787 hätte ein­fach nur ein, zwei Minuten länger warten müssen, und die Süd­umflie­gung wäre frei gewesen. Ange­sichts der Tat­sache, dass sie ohne­hin schon über eine halbe Stunde Verspä­tung hatte, wäre das wohl kaum aufge­fallen. Ohne­hin ist dieser Flug, der aktu­ell täg­lich statt­findet, bisher wohl so gut wie nie pünkt­lich abge­flogen, was aber auch wohl nie ein wirk­liches Problem war.

Denkbar wäre natür­lich noch, dass für die beiden Starts verschie­dene Lotsen zustän­dig waren, die sich nicht abge­stimmt haben, Frei­gaben erteilt haben - um im letzten Moment festzu­stellen, dass es da einen Kon­flikt geben könnte, der prag­matisch-kurz­fristig dadurch gelöst wurde, dass die B787 ein­fach gerade­aus geschickt wurde.
Wahr­schein­licher ist aller­dings, dass die B787 wegen des Starts auf der 18 West von Anfang an gar­nicht für die Süd­umflie­gung vorge­sehen war, sondern für den Nord­west­abflug. Das ent­spricht zwar nicht den Vor­gaben, ist aber in der Ver­gangen­heit schon häu­figer vorge­kommen. Was aber hätte ihr dort in den Weg kommen können? Eine Landung auf der Nord­west­bahn war es defi­nitiv nicht, aber es gibt da noch ein anderes Hinder­nis, das (uns) bisher nie aufge­fallen ist.

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Auch solche Geräte (eine Boeing C-17 Globemaster III) können in Erbenheim landen.

Der Militär-Vorrang

Vier­strahler wie die B787 sind schwere Maschinen, die nur lang­sam an Höhe gewinnen, beson­ders wenn sie, wie von Luft­hansa bevor­zugt, im Flach­start beginnen. Der Taunus ist zwar kein Hoch­gebirge, aber den­noch ein Hinder­nis, das über­wunden werden muss. Im Nord­west­abflug kommen für Vier­strahler und andere Heavies daher in der Regel von den drei 2023 neu defi­nierten Routen nur MARUN/TOBAK-G oder OBOKA in Frage.
Wie die Flug­spur-Auf­zeich­nungen zeigen, nutzt der LH-Flug, wenn er den Nord­west­abflug nimmt, übli­cher­weise die G-Route - und die führt direkt über den ehe­maligen Flug­platz Erben­heim, inzwi­schen bekannt als US-Stütz­punkt Erben­heim oder Wies­baden Army Air­field. Flug­betrieb dort könnte also theo­re­tisch ein Stör­faktor für die Abflüge sein. Anwohner haben zwar haupt­säch­lich Probleme mit tief­flie­genden Hub­schrau­bern, aber auch grös­seres Gerät kann dort landen.

An jenem 14.11. war es kein Vier­strahler, sondern nur eine zwei­motorige Turbo­prop-Maschine vom Typ Beech­craft C-12U-3 Huron, wie sie dort statio­niert sind. Sie flog als "United States-Army Priority Air Trans­port" von Pader­born nach Erben­heim, wo sie um 11:06 Uhr landete.
Wir haben in der Eingangs­grafik mal die Darstel­lungen der Posi­tionen der B787 und der Beech C12 zusammen­kopiert, an denen sie sich tat­säch­lich befan­den zu einem Zeit­punkt, an dem die B787 über Erben­heim gewesen wäre, wenn sie den Nord­west­abflug über die Route MARUN/TOBAK-G genom­men hätte (auf Basis von Daten von Flight­radar24, der Zeit­punkt wurde bestimmt auf Basis eines anderen B787-Fluges, der tatsäch­lich diesen Kurs genommen hat; Ungenauig­keiten sind hier also unver­meidbar).

Demnach wäre die Beech C12 noch etliche Kilo­meter ent­fernt gewesen, wenn die B787 Erben­heim über­flogen hätte, und im zivilen Flug­verkehr wäre es wohl kein Problem gewesen, diese Kon­stel­lation im Auge zu behal­ten und ggf. eine An­nähe­rung zu ver­hin­dern, indem ein Lotse den klei­neren Flieger ange­wiesen hätte, ein wenig auf die Bremse zu treten (die Höhen wären ohne­hin aus­reichend unter­schied­lich gewesen).
Aber es war die US Army - und da mussten auch andere in letzter Zeit lernen, dass man der besser gross­räumig aus dem Weg geht. Was da trans­por­tiert wurde, erfährt man natür­lich erst recht nicht. Aber es war ein "Army Priority Air Transport", und allein das sollte ja inzwi­schen eigent­lich, wie früher unter Kaiser und Führer, aus­reichen, ihn "vor­rang­berech­tigt" zu machen. Und wenn das unter Kanzler bisher wirk­lich noch nicht genügt - selbst wenn kein lädier­ter Soldat trans­por­tiert wurde, wird schon ein Päck­chen Spezial­pflaster oder ein Töpf­chen weisse Salbe an Bord gewesen sein, um den "Ambu­lanz­status" zu recht­fertigen.

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Das war die Situation am 09.10.: eine Boeing 777 auf Linienflug für United Airlines nach Newark (USA) donnert um 11:50 MESZ über den Ortskern von Raunheim, während sich im Norden eine US-Cessna dem Army Airfield Erbenheim nähert.

Kann das die Ursache für den Über­flug gewesen sein? Es ist zu befürch­ten. Um zu sehen, ob so etwas häufi­ger vor­kommt, haben wir uns einen frühe­ren, einzel­nen Über­flug ohne Extrem­wetter noch einmal ange­sehen. Und siehe da: auch damals, am 09.10., auch wieder gegen Mittag, drohte ein Konflikt mit einem Anflug auf Erben­heim. Dies­mal war es eine Cessna, die als "Regie­rungs- oder Mili­tär-Flug­zeug" gekenn­zeich­net war und aus Pristina (Kosovo) kam.
Weil der United Air­lines-Flug bisher nicht aufge­fallen und anderes gerade wich­tiger war, haben wir damals keine Beschwerde einge­reicht, wissen also nicht, ob auch hier "Ambu­lanz­status" ange­führt worden wäre. In allen ande­ren Punk­ten ist der Fall aber sehr ähn­lich dem Novem­ber-Über­flug, so dass wir befürch­ten müssen, dass dahinter System steckt. Frü­here Über­flüge darauf­hin zu unter­suchen, ist aufwän­diger, weil die Daten nicht mehr so ein­fach zur Verfü­gung stehen, aber zwei Fälle hinter­einander sind schon ein deut­licher Hinweis.

Und damit hört der Spass auf, und Ironie und Satire haben keinen Platz mehr.

Wie weiter?

Wenn es wirk­lich der Reali­tät ent­spricht, was wir hier als wahr­schein­lich beschrie­ben haben, dann stehen wir vor einer fata­len Situa­tion. Fraport und DFS planen, deut­lich mehr Flug­bewe­gungen, auch in Nacht­zeiten, auf die Nord­west­abflüge zu verschie­ben. Selbst wenn in der Theo­rie darun­ter keine Heavies sein sollten, die auf die G-Route über Erben­heim ange­wiesen sind, muss man befürch­ten, dass die Praxis, ebenso wie heute, auch anders aus­sehen kann. Und wenn mit zuneh­mender "Kriegs­tüchig­keit" auch der Betrieb auf Erben­heim weiter zu­nimmt, dann droht mit dem neuen Betriebs­konzept nicht nur, dass Raun­heim und nach­folgende Ort­schaften direkt über­flogen werden, wenn's im Vor­taunus mal regnet, sondern auch, wenn Militär­flüge dann grund­sätz­lich Vor­rang haben.

Es ist also aller­höchste Zeit, von den zustän­digen Insti­tutio­nen Auf­klä­rung darü­ber zu ver­langen, welchen Ein­fluss Flug­bewe­gungen in Erben­heim auf die Nord­west­abflüge vom Frank­furter Flug­hafen tatsäch­lich haben. Exis­tieren Ab­sprachen oder Ver­träge darüber, was wann auf Erben­heim abge­wickelt werden kann (einige sehr allge­meine Aus­sagen dazu lie­fert die US-Army sebst) ? Wer kontrol­liert die Flug­bewe­gungen dort, und wie werden sie mit den sons­tigen Flügen in der Region koor­diniert? Welche Aus­sagen gibt es zu deren geplan­ter Entwick­lung in der Zukunft? Warum sind offen­sicht­lich keine Ausweich­routen (z.B. OBOKA) einge­plant, wenn die Route über Erben­heim block­iert ist?.
Als ständig nör­gelnde kleine BI ohne jedes Druck­mittel haben wir natür­lich keine Chance, irgend jemand dazu zu bewegen, auch nur eine von diesen Fragen zu beant­worten. Aber das Thema sollte für viele betrof­fene Kommunen und kommu­nale Vertre­tungen wie die Flug­lärm­kommis­sion interes­sant genug sein, um mit mehr Nach­druck nachzu­fragen.

Was wäre realis­tisch zu er­reichen? Eine Schlies­sung des "Wies­baden Army Air­field" ist in nächster Zeit eher nicht zu erwarten. Auch der US-Präsi­dent, der ursprüng­lich mal die "Truppen heim­holen" wollte, berei­tet ja inzwi­schen neue Kolo­nial­kriege vor, und das US-Kom­mando dort ist u.a. auch für ganz Afrika und den Nahen Osten zustän­dig.
Aber auch wenn in Erben­heim alles bleibt, wie es war, oder sogar noch schlimmer wird, gibt es keinen Grund, Flieger, die den Nord­west­abflug nehmen wollen, aber die F-Route nicht schaffen, direkt über Raun­heim und nach­folgende Orte zu schicken. Es gibt noch die dritte Route OBOKA, die geringe Steig­fähig­keit erfor­dert, Erben­heim nicht tan­giert und eben­falls den nörd­lichen Luft­raum er­schliesst. Es sollte doch nicht so schwie­rig sein, alle Abflüge, die die G-Route nehmen wollen, so vorzu­bereiten, dass sie auf diese Route wechseln können, wenn mal wieder über­rasch­end was dazwi­schen kommt.

Natür­lich erzeugen sie auch da erheb­lichen Lärm über dicht besie­deltem Gebiet, aber wer einmal einen Über­flug einer grossen Maschine im Start­schub in wenigen hundert Metern Höhe erlebt hat, weiss, dass das mit "normalem" Flug­lärm nicht zu ver­gleichen ist. "Beläs­tigung" ist dafür kein Begriff mehr, es erzeugt Angst und Bedroh­ungs-Reak­tionen, schadet akut der Gesund­heit und sollte daher unbe­dingt vermieden werden.
Eine wirk­liche Lösung ist das nicht, aber worin die einzig und allein bestehen kann, steht unter fast jedem Beitrag auf dieser Seite. Der Frei­zeit­park Fraport muss schrumpfen und die Zahl der Flug­bewe­gungen dras­tisch redu­ziert werden. Was wirk­lich noch für die Region not­wendig ist, dürfte relativ einfach gesund­heits­ver­träg­lich zu organi­sieren sein.


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Zu denen, die ihren gesamten Arbeits­tag in dieser Drecks­luft ver­bringen müssen, wird in der Studie nichts gesagt. Ihre Arbeit­geber (Fraport, Luft­hansa und deren Dienst­leister) ver­weigern ihnen nicht nur jeg­lichen Schutz, sondern sogar jeg­liche Unter­such­ungen der Belas­tung, selbst wenn sie ihnen kosten­los aufge­drängt werden.

15.12.2025

Ultrafeinstaub am Flughafen:
Auch Passagiere sind gefährdet

Es ist keine Über­rasch­ung, aber ein neuer wissen­schaft­licher Beleg: eine Studie am Pariser Airport "Charles de Gaulle" belegt, dass Flug­passa­giere während des Ein­stei­gens, der Roll­bewe­gungen auf dem Flug­hafen und des Aus­steigens hohen Ultra­fein­staub-Kon­zen­tra­tionen aus­gesetzt sind.

Unter­sucht wurden die Partikel-Anzahl­konzen­tration in der Kabine (UFP, 10 - 300 nm) und die Massen­konzen­tration an elemen­tarem Kohlen­stoff (BC, black carbon, oder Russ). Gemessen wurde in 16 Flügen, die in Paris star­teten und nach Zwischen­landung wieder dorthin zurück führten, wobei auf Grund von diver­sen Aus­fällen nicht immer alle Daten zur Ver­fügung standen.

Die Autor*innen fassen im Abstract der Studie zusammen:

"Boden­phasen zeigen höhere Konzen­trationen als Flug­phasen, die Level nehmen nach dem Ab­heben ab und steigen im Lande­anflug (für UFP) und nach der Landung (für UFP und BC) wieder an. Die Ana­lyse der Ur­sachen zeigt
  1. eine Abnahme der UFP-Level während des Reise­flugs,
  2. eine Zu­nahme von UFP und BC wäh­rend der Taxi-Roll­bewe­gungen,
  3. ...
Die Kabinen­konzen­trationen von UFP und BC erschei­nen primär bestimmt durch Aussen­quellen, besonders durch die Luft­ver­schmut­zung an den Flug­häfen."
(eigene Über­setzung)

In der abschlies­senden Diskus­sion bewerten sie ihre Studie als:

"... die erste, die UFP und BC in einem Design unter­sucht, das die Iden­tifi­kation der bestim­menden Faktoren für die jewei­ligen Level erlaubt. Unsere Ergeb­nisse zeigen, dass die Schad­stoff-Level von UFP und BC in den Kabinen gewerb­licher Flüge stark mit der Flug­phase vari­ieren. Sie werden von ver­schie­denen Faktoren beein­flusst: ... die Dauer der spezi­fischen Flug­phasen und der Flug­zeug­typ beein­flussen beide Schad­stoffe."
(eigene Über­setzung)

In Bezug auf die einzelnen Flug­phasen sind die Aussagen in der Tat eindeu­tiger als bisher. Interes­sant ist auch das Detail, dass

"Konzen­tratio­nen wieder ansteigen für UFP während des Lande­anflugs (descent) und nach der Landung für BC und waren erhöht während des Taxi-in und an der Park­position."
(eigene Über­setzung)

Wenn das ein allge­meines Muster dar­stellt, würde es bedeuten, dass in den niedri­geren Luft­schichten, die beim Lande­anflug durch­flogen werden, nur die UFP erhöht sind, während auf dem Flug­hafen­gelände selbst sowohl UFP als auch Russ in hohen Kon­zen­tra­tionen vorliegen.

Bereits 2021 hatte eine Studie gezeigt, dass die UFP-Belas­tung in der Flug­zeug-Kabine über­wiegend durch die Belas­tung in der Aussen­luft bedingt ist. In der dama­ligen Unter­suchung traten aller­dings auch Fälle auf, in denen die UFP-Belas­tung im Inneren unab­hängig von der Aussen­konzen­tration zuge­nommen hat. Diese wurden über­wiegend auf sog. Fume Events zurück­geführt, Vorfälle, in denen die Kabinen­luft durch Un­dichtig­keiten bei der Ansau­gung von Aussen­­luft durch die Trieb­werke ("bleed air") kontaminiert wurde.
Hier trägt die neue Studie nichts zur Klärung des Risikos der Passa­giere bei, da solche Effekte nicht auf­traten, wohl auch wegen der nied­rigen Zahl der insge­samt durch­geführten Messungen.

Zu dem durch solche Events ausge­lösten Aero­toxi­schen Syn­drom teilt ein aktu­elles Papier des Wissen­schaft­lichen Dienstes des Deut­schen Bundes­tages mit

"Zusammen­fassend lässt sich in der Fach­litera­tur eine Auswei­tung, wenn nicht Verla­gerung der Diskus­sion weg von den ursprüng­lich einzig verdäch­tigten Tri­kresyl­phosphaten hin zu ultra­feinen Partikeln beo­bachten, die im Flug­zeug­innen­raum in sehr hohen Konzen­tratio­nen auf­treten können und Träger anderer Schad­stoffe (VOC ebenso wie Organo­phosphate) sind."

Zu diesen "anderen Schad­stoffen" gehören, wie Unter­suchungen am Frank­furter Flug­hafen fest­gestellt haben, ja auch durch­aus neuro­toxische Subs­tanzen aus Trieb­werks­ölen, die in rele­vanten Mengen in UFP-Kernen gefun­den werden. Das dazu durch­geführte EASA-Projekt, dessen Abschluss-Workshop im September statt­gefunden hat, hat leider immer noch keine Ergeb­nisse veröffent­licht, aber man kann hoffen, dass da dem­nächst noch etwas kommt.
Auch aus der sog. Ber­liner Kinder­studie (Berlin Branden­burg Air Study ( BEAR) sind in abseh­barer Zeit neue Ergeb­nisse zu gesund­heit­lichen Wir­kungen von Ultra­fein­staub zu erwarten. Für die Frank­furter UFP-Studie gilt das leider nicht.

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Das angepasste Logo des Projekts: von der Wirkungsstudie ist fast nichts übrig, und ineinander greift da nichts mehr.


Neuig­keiten zum Frank­furter UFP-Projekt

Da hüllt sich das "Umwelt- und Nach­bar­schafts­haus" (UNH) als for­meller Auftrag­geber aus nahe­liegen­den, schlech­ten Gründen seit einiger Zeit in Schweigen, ins­beson­dere zum zweiten Teil der UFP-Studie am Frank­furter Flug­hafen, der Wirkungs­studie von SOURCE FFR.
Auf deren Web­seite steht noch der Satz "Die Arbeiten zur Design­erstel­lung einer zukünf­tigen UFP-Wirkungs­studie star­teten am 1. Januar 2023 und dauern derzeit noch an." Die darunter ver­linkte Design-Studie ist zwar schon 2023 fertig­gestellt worden, und wahr­schein­lich ist der Satz nur Schlam­perei, aber man kann nicht völlig sicher sein, dass die Studie nicht noch­mal über­arbeitet werden muss, denn die Dilet­tanten im Umwelt­haus haben es offen­sicht­lich fertig­gebracht, die Aus­schrei­bung für die auf zwei Module zusammen­gestrich­ene Wirkungs­studie auch beim zweiten Versuch zum grössten Teil gegen die Wand zu fahren.

Im Weiteren erfährt man nämlich nur, dass das wesent­lich klei­nere und viel weniger aus­sage­kräf­tige Modul, die Sekun­där­daten­basierte Kohorten­studie, am 1. September 2025 star­tete. Dafür hatte es offen­bar, wie verlaut­bart, "ein (?!) Angebot" gegeben. Was genau da nun getan wird, erfährt man aller­dings auch nicht.
Zu dem zweiten, wesent­lich umfang­reicheren und wich­tigeren Modul, das eigent­lich eben­falls spätes­tens im Septem­ber beginnen sollte, gibt es nichts. Offen­bar war die nahezu zeit­gleich er­folgte Aus­schrei­bung dafür so ab­schreckend, dass es kein Angebot gab. Das spricht für die wissen­schaft­liche Community in Deutsch­land, die sich nicht alles zumuten lässt, ist für die Anwohner des Flug­hafens aber eine kata­strophale Nach­richt.

Es bedeutet, dass das einzige Modul der Wirkungs­studie, das über­haupt noch umge­setzt werden soll und auf die Ergeb­nisse der Belas­tungs­studie Bezug nimmt, nun, wenn über­haupt, nur noch in erheb­lichem zeit­lichem Abstand zu diesen Ergeb­nissen bear­beitet werden kann. Die Modell­rechnung für die flächen­deckende Belas­tung mit UFP wird aktuell für 2024 durch­geführt. Die Unter­suchung der Wir­kungen wird nach derzei­tigem Stand frühes­tens 2027 erfolgen können.
Man stelle sich vor, dass in der Blut­probe eines Patienten Auf­fällig­keiten gefunden werden, aber die Dia­gnose erst drei Jahre später erstellt wird - das wäre selbst in unserem heutigen Gesund­heits­system absurd. Um über­haupt noch brauch­bare Daten dafür zu liefern, müsste in der Belas­tungs­studie ein kom­pletter weiterer Modell­lauf für 2027 gefahren werden - erheb­licher Aufwand, und trotz­dem wären die Resul­tate unsicherer als die auch auf Messungen gestütz­ten Daten für 2024. Viel dras­tischer kann man ein Projekt nicht sabotieren.

Hätten sich UNH/FFR nicht schon in der Vergangen­heit hin­reichend diskre­ditiert, wäre spätes­tens jetzt der Zeit­punkt, darüber nachzu­denken, die führen­den Figuren dort auszu­tauschen - natürlich nur, wenn eine andere Politik gewünscht wäre. Für die Politik der derzei­tigen Landes­regierung sind Prof. Wörner & Co. als Toten­gräber der wissen­schaft­lichen Bear­beitung der nega­tiven Folgen des Luft­verkehrs vermut­lich genau die richtigen Personen.


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Karten­ausschnitt Mittel­europa mit Regionen (Cluster 4), in denen ein geringer bis nega­tiver Zusammen­hang zwischen Wachs­tum des Luft­verkehrs und wirt­schaft­licher Entwick­lung besteht.

10.12.2025

Fraport und lokale Wirtschaft

Vor einigen Wochen hat die europä­ische Verkehrs-NGO "Trans­port & Environ­ment" (T&E) den ersten Teil einer drei­teiligen Studie der "New Economics Foun­dation" (NEF) zur Ökono­mie des Luft­trans­ports in Europa" ver­öffent­licht.
Die Inhalte der drei Studien­teile beschreibt NEF wie folgt:

  1. Hat Luft­verkehrs-Wachstum einen Ein­fluss auf die ökono­mische Akti­vität, und wenn ja, wo, wann und warum tritt er auf?
  2. Sind die ökono­mischen Ein­flüsse des Luft­verkehrs ange­messen und fair zwischen Regio­nen und sozialen Gruppen ver­teilt?
  3. Sind die behaup­teten ökono­mischen Ein­flüsse robust, wenn Klima- und Umwelt-Schäden und das Risiko öko­syste­marer Kipp­punkte berück­sichtigt werden, und gibt es Alter­nativen mit gering­erem Einfluss?
  4. (eigene Über­setzung)

Wann mit der Ver­öffent­lichung der beiden weiteren Teile der Studie zu rechnen ist, wird nicht mit­ge­teilt.

Wir haben die Dis­kussion einiger mehr tech­nischer Aspekte der Studie, die für das Ver­ständ­nis der Aus­sagen rele­vant sein könnten, in einen Anhang ausge­lagert.
T&E nennt als wich­tigste Ergeb­nisse der Studie,

"... dass die Aus­sagen der Luft­fahrt­industrie fehler­haft sind, nach denen eine ver­bes­serte Luft­verkehrs­anbin­dung auto­matisch zu mehr Wirt­schafts­wachs­tum führe. Die Studie der New Economics Foun­dation ist die erste europa­weite Analyse, die den Zusammen­hang zwischen dem Wachs­tum des Luft­ver­kehrs und dem Wirt­schafts­wachs­tum unter­sucht.
Unter­sucht wurden 274 europä­ische Regionen. Die Analyse zeigt, dass der Zusammen­hang zwischen Wachs­tum im Luft­verkehr und in der Wirt­schaft schwächer ist als allge­mein behaup­tet: In 53 Prozent (143) der unter­such­ten Regionen, darunter ein Groß­teil Nord- und West­europas, führt das höhere Ein­kommen der Bürger­innen und Bürger zu einem Anstieg des Flug­verkehrs und nicht umge­kehrt.
Die Studie stellt fest, dass in bestimmten Regionen Nord- und West­europas zusätz­licher Flug­verkehr zu sinken­den oder sogar nega­tiven wirt­schaft­lichen Erträgen führt – dies wird in der Forschung als „Sätti­gung” bezeich­net. Dieser Effekt ist in Regionen in Belgien, den Nieder­landen, Groß­britan­nien und Deutsch­land zu ver­zeich­nen, wo der Flug­verkehr zuneh­mend von Menschen domi­niert wird, die im Ausland Urlaub machen."

Für die Rhein-Main-Region ist das im Grunde nichts Neues. Schon vor 10 Jahren ergab eine Umfrage der IHK, dass die Bedeu­tung des Flug­hafens für die regio­nale Wirt­schaft begrenzt ist und nur wenige Unter­nehmen den Ausbau des Flug­hafens für wichtig hielten. (Den Text gibt es hier noch.)
Bei den Fraport-Jubel­feiern im letzten Jahr bestä­tigte selbst der fana­tische Ausbau­befür­worter und Ex-Minister­präsident Roland Koch, dass FRA für die Region schon vor dem Ausbau zu gross war und nicht wegen regio­naler Bedürf­nisse ausge­baut wurde (das Video von diesem Event ist aller­dings in­zwi­schen ins Fraport-Zentral­archiv gewan­dert und damit den Blicken der Öffent­lich­keit (zu recht!) für immer ent­zogen).

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Fraport Infografik (Ausschnitt)

Auch die Verkehrs­daten bestä­tigten den "Sätti­gungs­effekt" damals schon. Für 2024 (neuere Daten sind noch nicht verfüg­bar) berichtet Fraport, dass knapp die Hälfte der Passa­giere (48 %) hier nur um­steigen, also nur Fraport und besten­falls die Geschäfte auf dem Flug­hafen von ihnen profi­tieren.
Knapp Drei­viertel (74 %) der Flug­reisen­den fliegen aus privaten Gründen, über­wiegend also für Ferien­reisen, während der Anteil der Geschäfts­reisen, die wirt­schaft­lich allge­mein rele­vant sein könnten, nur noch ein Viertel beträgt. Wie­viele davon auch noch nur Um­steiger sind, also ev. für andere Wirt­schaften unterwegs, wird nicht gesagt.

Auch für spezi­fische Aspekte wie Arbeit und Aus­bildung lassen sich ähnliche Tenden­zen erkennen. Die in der Ausbau-Diskus­sion verspro­chenen posi­tiven Effekte waren auch 2015 nicht zu sehen, und nach den radi­kalen Umbrüchen in Folge der Corona-Pan­demie ist klar, dass die da erreich­ten struk­turel­len Ver­schlech­terungen lange nach­wirken werden.

Für die aktu­ellen Diskus­sionen ist auch interes­sant, dass schon 2024 "die Zahl der Privat­reisen­den bereits das Vor-Corona-Niveau über­traf". Das macht deut­lich, dass das perma­nente Gejammer über hohe Stand­ort-Kosten völlig absurd ist, weil diese Kosten ganz offen­sicht­lich die Ferien­reisen­den in keiner Weise abge­schreckt haben.
Was tatsäch­lich passiert ist, ist, dass viele Unter­nehmen während der Pan­demie entdeckt haben, dass es für die notwen­dige über­regio­nale Kommu­nika­tion wesent­lich effi­zientere (und meist auch umwelt­freund­lichere) Methoden als Flug­reisen gibt. Diese Entwick­lung zurück­drehen zu wollen, nützt nieman­dem - ausser den Flug­gesell­schaften und den Flug­häfen, die an Geschäfts­reisenden ver­dienen möchten.

Zumindest die Politik gibt sich auch kaum noch Mühe, so zu tun, als glaube sie noch an die posi­tiven all­gemein­wirt­schaft­lichen Aus­wir­kungen des Luft­verkehrs­wachstums. Der hessi­sche Verkehrs­minister hat bereits in der Landtags­­debatte im letzten Jahr sehr deutlich gesagt, dass er es als seinen Auftrag sieht, den Tourismus-Hub FRA weiter zu stärken und auch mög­lichst viel Umsteige-Verkehr hier zu halten.

Auch aus dem sonst weit­gehend sinn­freien Geschwätz, mit dem der Bundes-Verkehrs­minister nach der Senkung der Luft­verkehrs­steuer gerade weitere "Er­leich­terungen" für die Luft­verkehrs­wirt­schaft in Aussicht gestellt hat, wie den schon Ende letzten Jahres ange­kündig­ten und jetzt vom Bundes­tag end­gültig beschlos­senen Weg­fall der sog. PtL-Quote, wird klar, dass es ihm primär darum geht, mehr Flüge in Deutsch­land statt­finden zu lassen, egal von wem und wofür. Haupt­sache, es gibt ausser im Rüstungs­sektor auch noch ander­weitig Wachstum.
Dass er dabei auch noch den letzten Ansatz zur Förde­rung eines etwas weniger klima-schäd­lichen Flug­verkehrs der Zukunft liqui­diert und allen Unter­nehmen, die in die Produk­tion der sog. "Power-to-Liquid"- oder "eFuels" inves­tiert haben oder inves­tieren wollten, gesich­erte Nach­frage weg­nimmt, passt in die Klima­politik dieser Regie­rung.

Im Kern also nichts Neues. Es gibt ein paar weitere wissen­schaft­liche Argu­mente dafür, dass der Ausbau des Frank­furter Flug­hafens und das weitere Wachstum der Zahl der Flug­bewe­gungen schäd­lich sind, weil in der Umge­bung des Flug­hafens nicht nur die Gesund­heit der Bevölke­rung und die Umwelt Schaden nimmt, sondern auch die Wirt­schaft. Den herr­schenden poli­tischen Kräften dürfte dieses Faktum bekannt sein, auch wenn einige ihrer Erfül­lungs­gehilfen es mög­licher­weise wirk­lich nicht ver­stehen.
Für alle, die gegen die Gesund­heits-, Umwelt- und Klima­schäden, die der Luft­verkehr an­richtet, vor­gehen wollen, liefert die Studie aber ein paar neue, aktuelle und gute Argu­mente, um Menschen, die noch an die Mythen und Legen­den der Luft­verkehrs-Lobby­isten glauben, vom Gegen­teil zu über­zeugen.

Ziel sollte dabei immer sein, deut­lich zu machen, dass dieser Flug­hafen immer weniger als Teil einer notwen­digen und fördern­den Infra­struktur für die lokale Wirt­schaft fungiert, aber immer mehr zum Bestand­teil und Profi­teur eines Luxus-Segments der Frei­zeit-Indus­trie wird. So etwas mit allen nach­gewie­senen Folgen für Gesund­heit, Umwelt und Klima in einer dicht besie­delten Region immer weiter wachsen zu lassen, ist etwa so sinn­voll und gesell­schaft­lich nütz­lich wie die Umwand­lung eines Bio­diver­sitäts-Schutz­gebietes in einen Golf­platz oder einen Disney­land-Park.
Mit anderen Worten: es ist ein Verbrechen, für das die Verant­wort­lichen in Politik und Wirt­schaft zur Rechen­schaft gezogen werden müssten.


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